DIE CHORFENSTER

 

Wer künftig unsere Kirche betritt, wird sehr bald merken, dass er in den Raum einer Pauluskirche gekommen ist. Bisher hatte die Kirche nichts, was ihrem Namen Ausdruck verlieh oder ein Hinweis auf ihn hätte sein können. Nun wird das große feuervergoldete Messingkreuz auf dem Altar den Blick weiterleiten auf die Fenster im Chor. Miteinander bilden sie ähnlich den alten Flügelaltären ein zusammengehöriges Ganzes. So ist zu spüren, wie von dort eine sammelnde Kraft ausgeht. Im Gestaltungsprogramm für die Chorfenster wurde aufgegeben: Die Darstellungen sollen nicht referierend, sondern von dem Willen zur Verkündigung bestimmt sein. Demnach wollen uns die Glasmalereien eine Predigt halten.

Wer seine Bibel kennt, wird bald herausfinden, dass ihr das Leben und die Verkündigung des Apostels Paulus im Dienste seines Herrn Jesus Christus zugrunde liegen. Er wird weiter entdecken, dass auch diese anschauliche Predigt ihre drei Teile hat. Jedes Fenster bringt dabei ein eigenes Thema.

 

Durch das linke Fenster laufen von oben nach unten starke Linien wie die eines Weges, der bald hierhin, bald dorthin führt. Sie sind schon ein erster Hinweis auf das Thema und zeigen an, dass hier etwas geschieht, dass hier Boten zu bestimmten Zielen unterwegs sind. Die Linien münden in einem Kreuz auf dem Weltkreis, dem Zeichen der missionierenden Kirche. Gehen wir der Malerei nach, so sehen wir am Anfang des Weges das Ereignis der Berufung des Saulus zum Apostel. Den am Boden Liegenden trifft ein helles Licht, das von oben aus der Rosette dringt. Sie ist in der Form eines Pentagramms (Fünfstern) gehalten, das als Christsymbol dient. Im Bild darunter sehen wir Paulus in der Missionsarbeit. Er predigt Juden und Heiden. Die Predigt bewirkt Scheidung: Die Gruppe der Juden wendet sich ab. Weiter führt der Weg. Paulus reist im Schiff zu einem neuen Missionsgebiet, geführt vom Geiste Gottes, der im Zeichen der Christus zugewandten Taube dargestellt ist. Daneben finden wir die Purpurkrämerin Lydia, die erste Christin auf europäischem Boden. Doch bringt der Botendienst nicht nur Erfolg, sondern zugleich Not und Gefahr. Die Schatten des Kreuzes fallen auf den Weg. Aber selbst im Gefängnis beten und loben Paulus und sein Mitarbeiter Silas ihren Herrn. Es ist ein Lob, dass er nicht mehr stirbt und sich im unteren Bild in dem Dankopfer lebendig erweist, das Paulus aus den Händen der Vielen für die Gemeinde in Jerusalem entgegennimmt. So führt die Mission zu einer wachsenden, durch Liebe zur Einheit verbundenen Kirche. Das Fenster verkündigt uns, wie missionierende Kirche lebt, und lässt uns sein Thema erkennen: Sendung in die Welt.

 

Das Mittelfenster zeigt den auferstandenen, erhöhten Herrn Jesus Christus, der Herr der Welt und seiner Kirche ist. Von ihm gehen die kreisförmigen Linien aus, die die drei Fenster durchziehen und alles Geschehen zusammenbinden. Jesus Christus wird uns hier vor Augen gemalt, wie wir ihn im sonntäglichen Gottesdienst bekennen, eins in Gott mit dem Vater und dem Heiligen Geist. In der Rosette wird das Zeichen des Heiligen Geistes, die Taube sichtbar, darunter die Hand des Vaters, die auf Christus weist: „Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören!“ Durch ihn sind wir mit dem Vater verbunden. Seine linke Hand bezeugt seine Beziehung zum Vater. Die rechte zeigt die sich bei ihm sammelnde Gemeinde. Hostie und Kelch, in Bleilinien angedeutet, tragen seine Gegenwart mitten in die Gemeinde. So kommt Christus auf uns zu in seinem Wort und Sakrament.

Die Malerei des Mittelfensters bezieht die sonntägliche Gottesdienstgemeinde ein und die sich durch die Zeiten hin bei Christus sammelnde Kirche. Auf ihn weist Paulus hin, der etwas erhöht in der Schar der Christen steht. Die Darstellung dieses Fensters verkündigt, wovon die Kirche lebt, und gibt uns als Thema:

Sammlung bei Christus.

 

Unten im rechten Fenster wird man alsbald ein durch Linien dargestelltes Musikinstrument erkennen. Im Zeichen einer Harfe steht die auf dem Grund der Apostel und Propheten erbaute, miteinander Gott lobende Gemeinde. Darüber sehen wir Paulus, der als Erinnerung an seine Briefe eine Schriftrolle in der Hand hält. Ihnen ist das Bild vom Wettlauf um die Siegeskrone entnommen. Der ausgestreckte Zeigefinger mahnt zum Durchhalten und zur Bewährung. Denn der Weg zur Vollendung führt durch viele Widerwärtigkeiten, wie der dargestellte Schiffbruch anzeigt. Aber endlich kommt er doch zum Ziel. Die Posaune Gottes kündigt den Jüngsten Tag an und damit vor aller Welt, dass Jesus Christus der Herr ist, über alles. Sie kommt aus der Rosette, die das lutherische Christussymbol in heutiger Fassung darstellt. In ihm verbinden sich Judenstern, Christrose und Kreuz. So predigt uns das dritte Fenster, woraufhin Kirche lebt, und gibt uns das dritte Teilthema: Der Vollendung entgegen.

 

Bei weiterem Betrachten wird deutlich werden, in welcher lebendigen Beziehung die Darstellungen zueinander und zu der in der Kirche versammelten Gemeinde stehen. Sie sind so inhaltsreich und ausdrucksvoll, beladen und befrachtet mit dem Evangelium, dass man sich ihnen immer neu zuwenden und sie zu sich reden lassen kann. Darin nehmen sie auf, was der Sinn eines jeden Gottesdienstes ist; denn in ihm geht es um die Sammlung bei Christus, um die Sendung in die Welt und um den Weg zur Vollendung. Sonntag für Sonntag werden uns die Fenster im Chor unserer Pauluskirche das nun bezeugen.

 

 

Ev. – Luth. Lydia

Kirchengemeinde Bünde

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